Gartenparty bei der HSH Nordbank
Steuerzahler übernehmen wiedermal die RechnungKeine andere Dienstleistungsbranche in Deutschland hat so großzügige Gehalts- und Entgeltvereinbarungen wie Banken und Versicherungen – und das schon seit langer Zeit. Vierzehn Gehälter und üppige Pensionszusagen bestimmen auch das Gehaltsgefüge in der Führungsschicht unterhalb des Vorstandes in der HSH Nordbank.
Nun sollen rund 3.000 Mitarbeiter eine Sonderzahlung und etliche ausgewählte Angestellte sogar eine „Restrukturierungsprämie“ erhalten, weil sie sich im Verlauf der letzten, schwierigen Monate um die Bank verdient gemacht haben. Die Sonderzahlung an die Mitarbeiter ist somit vor allem eine „Halteprämie“. Doch wer sich im Bankensektor auskennt, weiß um die Entlassungswelle, die zurzeit voll in Gang ist und schüttelt – mal wieder – um die eindimensionale Personalpolitik der HSH Nordbank.
Statt mit dem Argument der Arbeitsplatz-Sicherheit zu arbeiten, die angesichts von Entlassungen und Kurzarbeit in vielen Branchen ein besonders hohes Gut darstellt, wird wieder nur mit Geld geködert. Ganz objektiv und ohne Sozialromantik: Wer so viel verdient und einen sicheren Arbeitsplatz hat, muss auch mal in Kauf nehmen können, dass es nicht mehr gibt, nur weil stürmische Zeiten größeres Engagement verlangen. Da sollte man sich mal an Firmen wie Opel oder Schäffer orientieren, deren Mitarbeiter sogar auf einen Teil ihrer Gehälter verzichtet haben, um das Überleben ihrer Firmen zu sichern.
Natürlich soll die mit Steuermitteln finanzierte Prämie versuchen, die HSH-Mitarbeiterseele zu beruhigen, nachdem der Vorstandsvorsitzende im vergangenen Jahr mit einer dreisten Bonus-Zahlung von sich hören ließ. Auf die hat er bis heute nicht verzichtet – nicht mal teilweise. Auch einzelne Vorstände ließen sich nur einkaufen, indem ihnen Bonus-Zahlungen in Aussicht gestellt wurden. Die Boni stehen selbstredend auch jenen Vorständen zu, die ursprünglich auch mit einem 500.000 Euro Jahresgehalt zufrieden waren.
Summa summarum gewinnt der Steuerzahler der Eindruck, dass die HSH Nordbank nur zu retten ist, wenn man sowohl Manager als auch Angestellte mit Geld zum Arbeiten antreibt. Darin sind sie alternden Supermodels ähnlich, die morgens nur aufstehen, wenn sie Geld sehen – ganz zu schweigen von den Summen, die fällig werden, wenn sie zu einer Gartenparty erscheinen sollen.
HSH-Mitarbeiter werden in diesem Sommer wohl eigene Gartenpartys feiern müssen, weil sie bei den Nachbarn nicht mehr gern gesehen sind. Vor dem Hintergrund der Besorgnis erregenden Finanzsituation der Bank sorgt eine Sonderzahlung für viel Ärger in der Bevölkerung. Das muss auch der Steuerzahlerbund erfahren, dem ein „akzeptabel“ im Hamburger Abendblatt als Kommentar zur Sonderzahlung nachgetragen wird.
Das ist verständlich, weil die Geduld der Steuerzahler mit der HSH Nordbank buchstäblich am Ende ist. Aber muss nicht das Ziel weiterhin lauten, die Bank wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen, Gewinne zu erwirtschaften und die Schulden in der Bad Bank abzubauen? Hierfür ist die Leistungsfähigkeit der HSH-Mitarbeiter entscheidend. Nur wenn die Krise überstanden ist, kann die Bank aus Steuerzahlersicht ad acta gelegt werden.
Leider machen es Dr. Nonnenmacher & Co. den Steuerzahlern aber in diesen Zeiten besonders schwer, Vertrauen und Zuversicht in ihre Fähigkeiten zu entwickeln, wenn sie beständig dafür sorgen, dass ihr Gehaltskonto gefüttert wird statt mit positiven Unternehmenszahlen zuversichtliche Schlagzeilen zu produzieren.
„HSH Nordbank schreibt schwarze Zahlen und lädt Hamburger Steuerzahler zur Gartenparty“ – Das wäre doch mal ein Versöhnungsangebot, über das man reden könnte. Oder?



