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20.10.2010Konsolidierung
Aber zugegeben: die Ausstellungsmacher werden in ihrer Gestaltungsmacht stark eingeschränkt. Die Etats der Museen sind seit Ende der 1990er Jahren so eng bemessen, dass die Mittel im Grunde nur für die Verwaltung des Bestandes ausreichen. Wechselausstellungen müssen in der Regel unter hohem finanziellem Risiko des Hauses zu bewältigen, was wiederum nicht jedes Museum einzugehen bereit ist. Wenn doch etwas gewagt wird, ist die Inszenierung in der Regel zu brav und fällt im Wettbewerb mit anderen Freizeitangeboten kaum auf. Es ist sicher nicht übertrieben, Hamburgs Museen in einem Dornröschenschlaf zu verorten.


Ergebnis einer Umfrage des Bundes der Steuerzahler in Hamburger Museen Diese Ruhe wird nun unterbrochen vom Aufschrei des kulturellen Establishments, weil der Senat die Schließung des Altonaer Museums diktiert hat. Jetzt hört man wieder etwas aus der Kulturszene. Doch: Wo waren die Künstler, als die HSH Nordbank Steuergeld für Millionenprämien verbrannte? Wo war die Kulturszene, als die Kosten für die Elbphilharmonie explodierten? Welchen Beitrag leistet die Kultur, um das Problem der auseinanderdriftenden Gesellschaft unserer Stadt zu beheben?
Man könnte den Eindruck bekommen, dass sich die Kulturszene seit Jahren nur dann zu Wort meldet, wenn’s um die eigene Sache geht. Man erinnere sich an die Auseinandersetzungen um das Gängeviertel und an die letztjährige Forderung der Kulturlobby, den Rotstift keinesfalls bei Museen, Theatern und der Oper anzusetzen.
Der ehemalige Intendant des Thalia Theaters, Jürgen Flimm, beklagte in der vergangenen Woche die Nicht-Beteiligung der breiten Öffentlichkeit im Ringen der Kultur mit der städtischen Verwaltung und forderte „hanseatischen Rabatz“. Daraus wird wohl nichts, denn die Bürger spüren die desolate Haushaltslage gerade am eigenen Leib: Zuschüsse für individuelle Beratungsangebote werden gestrichen, Schlaglöcher bleiben monatelang unberührt, Kita-Gebühren werden angepasst und obendrein feilt die Bundesregierung an einer Anhebung der Krankenversicherungsbeiträge – die Menschen haben schlicht andere Sorgen als zum Beispiel die Schließung des Altonaer Museums!
Eine Alternative zur mittelfristigen Konsolidierung des Haushalts gibt es nicht. Der vom schwarz-grünen Senat eingeschlagene Weg ist richtig, er ist notwendig, er muss weiter gegangen werden – vor allem in Richtung einer schlanken Verwaltung. Aus Sicht der Steuerzahler ist es eine Frage der Ehre, dass die Kulturbranche ihren Beitrag zur Konsolidierung des Landeshaushalts leistet – gerade von ihr sind kreative Ideen zu erwarten. Bedauerlicherweise setzt die Szene einseitig auf Widerstand und frönt der kulturimmanenten Lust zum Protest. Der ist freilich kreativ (immerhin!) aber wenig konstruktiv.
Warum setzt sich die Kulturbranche nicht zum Beispiel für einen musealen Befreiungsschlag ein? Wir können den Museen zwar nicht mehr Geld geben, aber wir können ihr Aufgabenspektrum verkleinern. Errichten wir doch endlich den seit Jahren diskutierten und allseits akzeptierten Zentralen Kulturspeicher. Darin könnten alle städtischen Kulturgüter gelagert, gepflegt und archiviert werden. Von den vier großen musealen Aufgaben wären drei auf einen Schlag zentralisiert: Sammeln, Bewahren, Forschen. Das Ausstellen bzw. Vermitteln kultureller Werke und Ideen bliebe den Museen überlassen, die sich dafür im Kulturspeicher gegen ein Entgelt bedienen könnten. Mit einer klugen (Wechsel-)Ausstellungspolitik bestünde sogar die Chance, das eigene Profil zu stärken, sich von Konkurrenten abzuheben und zahlende Besucher anzuziehen. Je wirtschaftlicher ein Haus arbeitet, desto unabhängiger ist es von den politischen Entscheidungen über die Bewilligung von Zuschüssen.
Der Zentrale Kulturspeicher ermöglicht eine flexible Ausstellungspolitik abseits der reinen Bestandsverwaltung und sorgt für eine Unabhängigkeit der Museen von den politisch gesteuerten Zuschüssen aus der Bürgerschaft. Eine solche Museumsreform wäre ein struktureller Beitrag zur Konsolidierung des Landeshaushalts: Auch wenn zunächst Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe nötig sind so rentieren sie sich durch die Auswirkungen des Wettbewerbs der Museen untereinander.
Das Altonaer Museum muss nicht geschlossen werden. Es muss sich nur – wie alle anderen Museen auch – für neue Konzepte öffnen.
Der Artikel erschien als Gastbeitrag in der Hamburg-Ausgabe von DIE WELT am 21.10.2010.
Kreativ den Haushalt sanieren
Die Kulturszene wehrt sich gegen das Unvermeidliche

Ergebnis einer Umfrage des Bundes der Steuerzahler in Hamburger Museen Diese Ruhe wird nun unterbrochen vom Aufschrei des kulturellen Establishments, weil der Senat die Schließung des Altonaer Museums diktiert hat. Jetzt hört man wieder etwas aus der Kulturszene. Doch: Wo waren die Künstler, als die HSH Nordbank Steuergeld für Millionenprämien verbrannte? Wo war die Kulturszene, als die Kosten für die Elbphilharmonie explodierten? Welchen Beitrag leistet die Kultur, um das Problem der auseinanderdriftenden Gesellschaft unserer Stadt zu beheben?
Man könnte den Eindruck bekommen, dass sich die Kulturszene seit Jahren nur dann zu Wort meldet, wenn’s um die eigene Sache geht. Man erinnere sich an die Auseinandersetzungen um das Gängeviertel und an die letztjährige Forderung der Kulturlobby, den Rotstift keinesfalls bei Museen, Theatern und der Oper anzusetzen.
Der ehemalige Intendant des Thalia Theaters, Jürgen Flimm, beklagte in der vergangenen Woche die Nicht-Beteiligung der breiten Öffentlichkeit im Ringen der Kultur mit der städtischen Verwaltung und forderte „hanseatischen Rabatz“. Daraus wird wohl nichts, denn die Bürger spüren die desolate Haushaltslage gerade am eigenen Leib: Zuschüsse für individuelle Beratungsangebote werden gestrichen, Schlaglöcher bleiben monatelang unberührt, Kita-Gebühren werden angepasst und obendrein feilt die Bundesregierung an einer Anhebung der Krankenversicherungsbeiträge – die Menschen haben schlicht andere Sorgen als zum Beispiel die Schließung des Altonaer Museums!
Eine Alternative zur mittelfristigen Konsolidierung des Haushalts gibt es nicht. Der vom schwarz-grünen Senat eingeschlagene Weg ist richtig, er ist notwendig, er muss weiter gegangen werden – vor allem in Richtung einer schlanken Verwaltung. Aus Sicht der Steuerzahler ist es eine Frage der Ehre, dass die Kulturbranche ihren Beitrag zur Konsolidierung des Landeshaushalts leistet – gerade von ihr sind kreative Ideen zu erwarten. Bedauerlicherweise setzt die Szene einseitig auf Widerstand und frönt der kulturimmanenten Lust zum Protest. Der ist freilich kreativ (immerhin!) aber wenig konstruktiv.
Warum setzt sich die Kulturbranche nicht zum Beispiel für einen musealen Befreiungsschlag ein? Wir können den Museen zwar nicht mehr Geld geben, aber wir können ihr Aufgabenspektrum verkleinern. Errichten wir doch endlich den seit Jahren diskutierten und allseits akzeptierten Zentralen Kulturspeicher. Darin könnten alle städtischen Kulturgüter gelagert, gepflegt und archiviert werden. Von den vier großen musealen Aufgaben wären drei auf einen Schlag zentralisiert: Sammeln, Bewahren, Forschen. Das Ausstellen bzw. Vermitteln kultureller Werke und Ideen bliebe den Museen überlassen, die sich dafür im Kulturspeicher gegen ein Entgelt bedienen könnten. Mit einer klugen (Wechsel-)Ausstellungspolitik bestünde sogar die Chance, das eigene Profil zu stärken, sich von Konkurrenten abzuheben und zahlende Besucher anzuziehen. Je wirtschaftlicher ein Haus arbeitet, desto unabhängiger ist es von den politischen Entscheidungen über die Bewilligung von Zuschüssen.
Der Zentrale Kulturspeicher ermöglicht eine flexible Ausstellungspolitik abseits der reinen Bestandsverwaltung und sorgt für eine Unabhängigkeit der Museen von den politisch gesteuerten Zuschüssen aus der Bürgerschaft. Eine solche Museumsreform wäre ein struktureller Beitrag zur Konsolidierung des Landeshaushalts: Auch wenn zunächst Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe nötig sind so rentieren sie sich durch die Auswirkungen des Wettbewerbs der Museen untereinander.
Das Altonaer Museum muss nicht geschlossen werden. Es muss sich nur – wie alle anderen Museen auch – für neue Konzepte öffnen.
Der Artikel erschien als Gastbeitrag in der Hamburg-Ausgabe von DIE WELT am 21.10.2010.





