BdSt - Mehrkosten durch schlechte Verkehrsplanung

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19.05.2010

Mehrkosten durch schlechte Verkehrsplanung

Wir fordern: Staukosten senken!


(pixelio.de/R.Sturm)
In Hamburg pendeln pro Tag rund 530.000 Menschen zur Arbeit. Fließender Verkehr hat für sie oberste Priorität, denn Verspätungen durch Staus auf dem Arbeitsweg führen nicht nur zu psychischer Anspannung, die sich negativ auf das Wohlbefinden und auf die Arbeitsleistung auswirken. Staus sind auch die Ursache von vermeidbaren Mehrkosten, die letztendlich zu weniger volkwirtschaftlicher Produktivität und zu niedrigeren Steuereinnahmen führt. Damit kommt dem fließenden Verkehr auf Hamburgs Straßen eine erhebliche Bedeutung zu.

Welche Kosten verursacht der Hamburger Pendelverkehr?

Pendeln mit dem Auto verursacht Kosten. Nicht nur für den einzelnen Pendler, der ein Auto unterhalten und Treibstoff kaufen muss. Auch die Lärmschutzmaßnahmen, Projekte zur Verringerung der Luftverschmutzung und Unfallrisiken schlagen als Gemeinschaftskosten zu Buche. Zusammengefasst werden die Faktoren unter „externe Kosten des Verkehrs“, die nach einer Studie des Sozial- und Marktforschungsinstituts infras und der Universität Karlsruhe exakt 25,90 Euro auf 1.000 Kilometer betragen sollen (Studie; Stand: 2000; S. 10 // aktualisierte Fassung).

Das würde auf Hamburg übertragen bedeuten, dass alle Pendler an 256 Arbeitstagen im Jahr externe Verkehrskosten in Höhe von rund 155,5 Mio. Euro verursachen. Pro Arbeitstag sind dies immerhin 631.981 Euro. Das sind die Mittel, die von der Gemeinschaft aufgebracht werden müssten, um einige der Folgen des Berufsverkehrs wieder zu beseitigen.

Welche Mehrkosten verursachen Staus?

Ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man die Kosten bei „Staufahrten“ berechnet. Wird der Arbeitsweg von Stau blockiert, erhöhen sich die externen Verkehrskosten um das 85-fache. So entstehen an einem Arbeitstag Kosten in Höhe von 53,8 Mio. Euro - vorausgesetzt auf allen Wegen gibt es Stau.

Vergleich: Die durchschnittliche Wegstrecke eines Hamburger Pkw-Pendlers beträgt 22,75 km. Dabei werden externe Verkehrskosten in Höhe von „nur“ rund 0,59 Euro verursacht. Wenn die gleiche Strecke durch Stau blockiert ist, schlägt dies mit 50,17 Euro zu Buche.

Dabei sind die staubedingten Mehrkosten nur ein Teil des finanziellen Problems. Hinzu kommen so genannte volkswirtschaftliche Kosten: Wer im Stau steht, ist erhöhtem Stress ausgesetzt, was wiederum u.a. zu Bluthochdruck führen kann, auf den durch Arztbesuche und anschließende Behandlung reagiert werden muss. Wer aufgrund von Staus zu spät zur Arbeit kommt, kann Termine nicht wahrnehmen und muss die verlorene Arbeitszeit nachholen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden, den Staus verursachen, ist kaum bezifferbar.

Ursachen


Kein Durchkommen am Hanseatic Trade Center Anfang Mai. Dauerstau in der HafenCity.
Die Ursachen für Staus sind allseits bekannt: Behinderungen durch Baustellen, ineffektive Ampelschaltungen und unsichere Fahrweise bei verwirrender Ausschilderung. Darüber hinaus sieht sich der Hamburger Pendler einer Reihe von Straßensperrungen konfrontiert, die aufgrund des prall gefüllten Veranstaltungskalenders der Stadt vor allem im Sommer die Pkw-Nutzung nahezu unmöglich erscheinen.

Anfang Mai ist der Verkehr rund um den Hafen zum Erliegen gekommen. Rückstaus in alle Richtungen waren die Folge, geplatzte Termine, blank liegende Nerven. Die Ursachen waren schnell gefunden: Die Absperrungen zum Hafengeburtstag, Brückensanierungen bei der Einfahrt in die HafenCity und Verkehrsbehinderungen rund um die U-Bahnstation Baumwall sorgten für ein teilweise katastrophales Verkehrschaos. Zusätzlich erschwert wurde die Situation durch die Ampelschaltung, die nicht an die Verkehrsbedingungen angepasst wurde. Außerdem war die Beschilderung für Umleitungen in mindestens zwei Fällen so irreführend, dass von Ihnen keine Entlastung sondern vielmehr eine Belastung für den Verkehr ausging.

Forderungen

Meckern kann jeder – aber nun mal Butter bei die Fische! Was muss getan werden, um staubedingte Mehrkosten abzubauen?

1. Verkehrsleitplanung besser koordinieren!
Baustellen und die daraus resultierenden Verkehrsleitplanungen müssen effektiver und aus einer Hand koordiniert werden. Zurzeit sind dafür jeweils der Bauherr, die bauausführenden Firmen, die Verkehrsplaner der Stadtentwicklungsbehörde, die verkehrsausführenden Firmen (Absperrung, Umleitung) sowie das örtliche Polizeikommissariat gemeinsam zuständig. Vor Einrichtung einer Baustelle ist ein großer Abstimmungsbedarf vorhanden, der dann ad absurdum geführt wird, wenn in unmittelbarer Nähe zeitgleich eine zweite - oder dritte oder vierte - Baustelle eingerichtet wird.

Wie der Bund der Steuerzahler herausfand, findet zwischen benachbarten Baustellen keine hinreichende Abstimmung über die Verkehrsleitplanung statt. Dies sollte dringend verbessert werden.

2. KOST personell verstärken!
Darüber hinaus ist zu überlegen, ob nicht die Koordinierungsstelle (KOST) für Baustellen in der Verkehrsbehörde personell verstärkt werden sollte, damit sie nicht nur ihre bisherigen Aufgaben umfassend erfüllen kann (vor ihr liegen immerhin enorme Herausforderungen bei der Bewältigung des Schlagloch-Problems) sondern auch die Moderation für die Umleitungsplanung rund um benachbarte Baustellen übernehmen könnte. Die KOST ist zuständig für die Einrichtung von Baustellen im gesamten Hamburger Stadtgebiet. Zurzeit sind nur drei der bewilligten vier Planstellen tatsächlich besetzt. Hier wird ganz offensichtlich an der falschen Stelle gespart!

Die KOST räumte gegenüber dem Bund der Steuerzahler ein, dass sie den Veranstaltungskalender der Stadt zwar "im Blick habe", diesen aber bei ihrer Entscheidung über die Zulassung einer Baustelle nur selten berücksichtige. Insbesondere bei regelmäßigen Großveranstaltungen wurden Baustellen schon einmal zeitlich verschoben. Grundsätzlich muss die KOST aber keine Rücksicht auf Veranstaltungen in der Stadt nehmen.

3. Informationspolitik verbessern!
Außerdem muss die Informationspolitik der Behörden verbessert werden. Die Baustellen-Kartierung im Internet erhebt den Anspruch, besonders aktuell zu sein. Tatsächlich ist sie teilweise veraltet und funktioniert nur schwerpunktmäßig. Stichproben des Bundes der Steuerzahler ergaben, dass es in und um die HafenCity mehr Baustellen gab als im Internet verzeichnet waren. Dahingegen war die Baustelle rund um die U-Bahnstation Baumwall bereits vor ihrer Eröffnung angegeben.

4. Ampelschaltung flexibilisieren
Bei Stauschwerpunkten, also an Stellen, bei denen es häufig zu zähfließendem Verkehr und Staus kommt, muss die Ampelschaltung an die veränderte Verkehrslage angepasst werden. Dies kann zum einen durch eine manuelle Umschaltung durch die Behörde für Inneres (Verkehrsdirektion 52) oder durch die Einführung intelligenter Ampelsysteme realisiert werden. Bei Straßenerneuerungsprojekten sollte gewissenhaft geprüft werden, ob die Installation zusätzlicher Ampeln nicht negative Auswirkungen auf den Berufsverkehr haben.

Beispiel: In Blankenese wurde der Kreuzungsbereich Elbchaussee / Dockenhudener Straße / Hasenhöhe im vergangenen Jahr erneuert und mit einer zusätzlichen Ampel ausgestattet, die den Berufsverkehr seitdem täglich zum Erliegen bringt. Der Pkw- und Bus-Verkehr staut sich regelmäßig bis zur Rissener Landstraße zurück. Hier sollte die Verwaltung noch einmal eine kritische Überprüfung vornehmen!


Landungsbrücken / Hafenstraße ... same procedure as yesterday.
5. Halteverbote stärker kontrollieren!

Insbesondere an Veranstaltungstagen sollte während des Berufsverkehrs auf besonders stark frequentierten Straßenzügen, deren Verlauf zusätzlich durch Baustellen behindert sind, die Einhaltung unbefristeter oder befristeter Park- und Halteverbote - vor allem für den Lieferverkehr - hingewirkt werden.

6. Beschilderung verbessern!
Schließlich muss die Beschilderung rund um eingerichtete Baustellen verbessert werden. Auf die Verkehrsbehinderungen muss räumlich früher hingewiesen werden und Alternativrouten müssen für den Autofahrer eindeutig erkennbar und schnell nutzbar vorgeschlagen werden.

Unsere Meinung
Wenn an bestehenden Stellschrauben in der Verwaltung gedreht und damit Verbesserungen erzielt würden, wäre dies eine erheblich Entlastung des Pendlerverkehrs in Hamburg. Staubedingte Mehrkosten würden reduziert und die Produktivität erhöht werden, was letztlich zu einer Entlastung des Landeshaushalts durch Minderausgaben und Mehreinnahmen führen könnte. Deshalb gilt: Der Autoverkehr in Hamburg darf nicht weiter behindert werden sondern

Ihre Meinung
Was halten Sie von der Staupolitik des Senats? Kommentieren Sie unsere Position, ergänzen Sie unsere Forderungen! Das hilft uns - und Ihnen - beim Erreichen unseres Ziel: Weniger staubedingte Mehrkosten im Berufsverkehr - und natürlich freie Fahrt!
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