Zug der Ideenlosigkeit
Enttäuschendes Stadt-Marketing
Der Zug der Ideen entpuppte sich als "Zug der Ideenlosigkeit". Hamburg ist die "Umwelthauptstadt Europas 2011". Mit diesem Titel soll die Stadt den EU-Regularien zufolge „eine anspruchsvolle Bewusstseinsbildungs- und PR-Strategie sowie Handlungspläne und Veranstaltungsprogramme entwickeln und umsetzen“. Hierfür stellte die Bürgerschaft insgesamt 8,65 Mio. Euro zur Verfügung.
Im Mittelpunkt der Aktionen: Der Zug der Ideen. Von April bis September tourte der Zug durch Europa und machte in insgesamt 18 Städten, darunter Oslo, Barcelona, Tallin und Wien Station. In sechs Containern wird Europa über die Herausforderungen wachsender Städte im Umweltschutz informiert. Hamburg empfiehlt sich dabei stellenweise als Vorbild, zum Beispiel mit einem Leihfahrradsystem.
Doch das gibt es bereits seit 1997 sehr erfolgreich in Paris. Neues, Innovatives oder selbst etwas originär Hamburgisches, von dem Europa erfahren sollte, wird im „Zug der Ideen“ nicht gezeigt. Stattdessen werden althergebrachte Themen wie Mülltrennung und Wassergüte in Spielen und Kunst-Installationen für den Besucher 
Bestellen Sie unser Schwarzbuch. konsumierbar verpackt. Selbst Themen mit hohem Potenzial für mehr Umweltschutz in Städten, wie intelligente Ampelsysteme, die den Verkehrsfluss erhöhen und die Feinstaubbelastung reduzieren können, werden uninspiriert präsentiert.
An einem Punkt der Ausstellung können Besucher auf Holzklötze ihre Wünsche für eine bessere Umwelt schreiben, woraus eine „Stadt der Wünsche“ entstehen soll. Dem durchaus charmanten Grundgedanken der Emotionalisierung von Umweltbewusstsein fehlt jedoch die konsequente Weiterentwicklung der Wünsche in Ideen, die schließlich in Handlungsempfehlungen und konkrete Aktionen der Politik münden. Insgesamt betrachtet enttäuscht der Zug der Ideen damit insbesondere dadurch, dass er keine neuen Ideen präsentiert.
Der Hamburger Steuerzahler hat für dieses Gesamtprojekt rund 4 Mio. Euro ausgegeben. Die hätte man besser für ein Konzept zur Mülltrennung stecken sollen. So etwas findet in weiten Teilen Hamburgs nämlich nicht mal im Ansatz statt und ist eigentlich eine gute Idee.


