BdSt - Falsche Preispolitik beschert dickes Minus

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01.10.2013igs 2013

Falsche Preispolitik beschert dickes Minus


igs 2013
Als am 26. April in Hamburg-Wilhelmsburg die Internationale Gartenschau 2013 eröffnete, meinte es Petrus nicht gerade gut mit den Freunden der Flora - es goss wie aus Kübeln. Ein böses Omen? Der extra angereiste Bundespräsident Joachim Gauck ließ sich vom Hamburger Schietwetter auf jeden Fall nicht beirren und sprach sogar vom "Superstar unter den Gartenschauen". Unter dem Motto "In 80 Gärten um die Welt" sollte der Hansestadt und ihren Gästen die ganze Pracht der Gartenvielfalt präsentiert werden.

Nach 6 Wochen kehrte jedoch bereits Ernüchterung ein. Es wurde bekannt, dass von den bis dahin kalkulierten 600.000 Besuchern lediglich 200.000 den Weg nach Wilhelmsburg gefunden hatten. Umweltsenatorin Jutta Blankau kündigte an, sollte die igs bis Mitte Oktober weniger als 2,5 Millionen Besucher zählen, müsse die Finanzlücke aus dem Landeshaushalt beglichen werden.

Die Stadt hat ca. 70 Mio. Euro in die dauerhafte Nutzung der igs investiert. Der tägliche Betrieb der Gartenschau wird über einen Kredit in Höhe von 50 Mio. Euro finanziert, zu refinanzieren ist dieser über die Einnahmen.

Für die niedrigen Besucherzahlen wurden mehrere Gründe ausgemacht. Die andauernden Regenfälle im Frühjahr, aber auch die vielen Freizeitalternativen, die die Hansestadt zu bieten hat - zum Beispiel Großveranstaltungen wie den Hafengeburtstag und die Harley Days. Auch bietet die zentrumsnahe Grünanlage Planten un Blomen eine grüne Alternative zur igs - und zwar kostenfrei. Der wohl gewichtigste Grund für die niedrigen Besucherzahlen war wohl aber der üppige Eintrittspreis von 21 Euro.

Bereits früh hat sich der Steuerzahlerbund in die Diskussion um den Besuchermangel eingeschaltet. Wir forderten, den Eintrittspreis von 21 auf 15 Euro zu senken. Es geschah jedoch nichts. Stattdessen versuchten sich die Verantwortlichen in Aktionismus. Täglich wurden Meldungen von neuen Rabattaktionen durch die Presse gejagt. Feierabendticket, Oma-Opa-Enkel-Ticket, Aktion "Kids for free" oder auch die Dauerkarte-Halbzeit.

Eine Senkung des generellen Eintrittspreises wurde mit der Begründung abgelehnt, dass man damit den Besuchern, die bereits auf der igs waren, Unrecht tun würde, denn diese hätten 21 Euro zahlen müssen. Kurioserweise wurde aber angeboten, für die auf dem Gelände ihre Runden drehende Monorailbahn nur noch ein Mal zahlen zu müssen, um dann so lange fahren zu können wie mal wolle. Vorher kostete die einzelne Fahrt 7 Euro. An die Besucher, die diese Möglichkeit zuvor nicht hatten, wurde in diesem Fall inkonsequenterweise kein Gedanke verschwendet.

Unter dem Strich blieb die Preispolitik sehr dürftig. Gerade für Familien, die in der Ferienzeit durch niedrigere Preise von einem Besuch hätten überzeugt werden können, blieb die igs ein zu teurer Spaß.

Kalkulierte man im Jahr 2000 noch mit 5 Millionen Besuchern, waren es zu Beginn der igs immerhin noch 2,5 Millionen. Im Juni wurde das Ziel dann auf 2 Millionen revidiert. Mitte September hatten ca. 950.000 Besucher den Weg zur igs gefunden. Um die Marke von 2 Millionen noch zu knacken, müssten im verbleibenden Monat bis zum 13. Oktober noch eine Million Besucher ihr igs-Ticket lösen.

An diesen Zahlen ist erkennbar, dass es am Ende eine erhebliche Finanzierungslücke geben wird. Wie groß diese sein wird, lässt sich noch nicht exakt ermitteln. Im Rahmen der igs-Halbzeitbilanz ging der Steuerzahlerbund bei konstanten Besucherzahlen von einem zu erwartenden Verlust von ca. 26 Mio. Euro aus.

Auch wenn die Gartenschau im Vergleich zu vergangenen Events dieser Art eine Ausnahme bildet, da sie wesentliche Elemente einer sozialen Stadtteilförderung beinhaltet, hätte durch eine klügere Preispolitik alles dafür getan werden müssen, um mehr Menschen nach Wilhelmsburg zu locken und somit das Risiko für den Haushalt so gering wie möglich zu halten. Zwar wird der unter seinem schlechten Image leidende Stadtteil langfristig von der igs profitieren, die Stadt und somit der Steuerzahler wird kurzfristig jedoch tief in die Tasche greifen müssen, um die erhebliche Finanzierungslücke zu schließen. Wie der Senat dies erreichen will, ist derzeit noch nicht klar.

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