BdSt - Feuer und Flamme für Hamburg - Reloaded?

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01.04.2014Olympia

Feuer und Flamme für Hamburg - Reloaded?


© william perugini - fotolia.com
Bei vielen Hamburgern sitzt der Stachel noch immer tief. Unter dem Motto "Feuer und Flamme für Hamburg" hatte sich die Hansestadt zu Beginn dieses Jahrtausends um die Olympischen Sommerspiele 2012 beworben. Jedoch war bereits die erste Hürde zu hoch, denn Hamburg scheiterte 2003 an seinem innerdeutschen Konkurrenten Leipzig. Letztlich trug London die Spiele aus.

Mittlerweile scheinen sich die Hansestädter, schenkt man den hiesigen Medien Glauben, aus der Schockstarre befreit zu haben. Die Rufe nach einer neuerlichen Bewerbung werden zunehmend lauter. Zur Debatte stehen die Sommerspiele 2024 und 2028.

Laut einer von der Handelskammer im Januar veröffentlichten Umfrage sprechen sich 59% der Hamburger für eine Bewerbung aus, 37% sind dagegen. Dass die Bürgerinnen und Bürger, die mit ihren Steuergeldern letztendlich den Großteil der Kosten einer Austragung stemmen müssten, das letzte Wort haben sollten, steht außer Frage.

Die Stadt München, die sich mit drei Partnergemeinden für die olympischen Winterspiele 2022 bewerben wollte, konnte ihre Bürger nicht überzeugen, denn diese stimmten in einer Befragung dagegen. Ein Argument, das immer wieder geäußert wurde: die Menschen wollen den um sich greifen Gigantismus bei Sportveranstaltungen nicht mehr mittragen.

Hier sollte jedoch klar unterschieden werden. Olympische Spiele in Peking oder Sotschi und Fußball-Weltmeisterschaften in Russland oder Katar, die aus zu hinterfragenden und anscheinend nie enden wollenden Geldtöpfen ihrer Machthaber finanziert werden, können kein seriöser Maßstab sein. Für Hamburg gilt: Chancen und Risiken Olympischer Spiele sollten von vornherein seriös, ohne jede bejahende oder verneinende Grundstimmung, abgewogen werden.

Prof. Dr. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, hebt die Chancen hervor: "Für Hamburg wären die Spiele vor allem ein Katalysator für die strategische Stadtentwicklung, Stichwort Sprung nach Süden. Sie brächten unsere Stadt weltweit in den Fokus von Fachkräften, Touristen und Investoren. Norddeutschland insgesamt könnte auch durch konsequente Infrastrukturentwicklung profitieren."

In der Tat, gerade in lahmende Infrastrukturprojekte könnten Olympische Spiele neuen Schwung bringen. Während die Hamburger Politik gerne darüber debattiert, wie der Öffentliche Nahverkehr im Jahr 2030 oder 2040 aussehen könnte, zeigen die Erfahrungen anderer Austragungsorte von Großveranstaltungen, dass Verkehrsprojekte, die ursprünglich für einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren angelegt waren, plötzlich innerhalb von weniger als 10 Jahren umgesetzt wurden. Aus dem seit langem nur langsam fortentwickelten Stückwerk in der Hamburger Infrastrukturpolitik, könnte endlich ein Konzept aus einem Guss werden.

München beispielsweise hat enorm von der Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1972 profitiert. Die Bayerische Metropole hat ihre städtische Infrastruktur zu jener Zeit ausgebaut und fortentwickelt - und konnte ganz nebenbei ihren weltweiten Bekanntheitsgrad durch die Ausrichtung der Spiele erheblich steigern.

In der Hamburger Politik gibt es klare Befürworter einer Olympia-Bewerbung. Die sportpolitische Sprecherin der FDP, Kirsten von Hardenberg, schlägt in die gleiche Kerbe wie die Handelskammer: "Hamburg als boomende Touristen- und Wirtschaftsmetropole wird den notwendigen Ausbau seiner Infrastruktur konzentrierter und schneller vornehmen können und aus einer Bewerbung vielschichtige Impulse generieren."

Jedoch gibt es auch kritische Stimmen. So tritt die allein regierende SPD auf die Euphoriebremse. Juliane Timmermann, sportpolitische Sprecherin, mahnt, die Stadt solle sich nicht vorschnell in ein Bewerbungs-Abenteuer stürzen. Eine Bewerbung Hamburgs lediglich als eine Art Test-Ballon zu starten, sei angesichts der enormen personellen und finanziellen Ressourcen, die ein solches Projekt bindet, der absolut falsche Weg. Und auch der sportpolitische Sprecher der LINKEN, Mehmet Yildiz, warnt: "Olympische Spiele sind ein kostspieliges Abenteuer und die finanziellen Risiken sind enorm. Die Erlöse zapft das IOC ab, die Kosten für die milliardenschweren Infrastrukturmaßnahmen werden den hamburgischen SteuerzahlerInnen aufgebürdet."

Wahrlich, die Forderung an das Internationale Olympische Komitee (IOC), endlich einen Paradigmenwechsel zu vollziehen, ist nicht neu. Bis dato ist es Usus, dass der Austragungsort für sämtliche anfallende Kosten und entstehende Verluste aufzukommen hat. Die gewinnträchtigen TV- und Vermarktungsrechte hingegen verbleiben zu einem großen Teil beim IOC. Ein Sinneswandel bei den hohen Sportfunktionären darf jedoch nicht erwartet werden, solange Bewerberstädte nach wie vor Schlange stehen und dazu bereit sind, sich den Auflagen des IOC zu unterwerfen.

Sollte sich Hamburg, initiiert von der Politik, auf Grundlage eines breiten Zuspruchs aus der Bevölkerung, am Ende tatsächlich dafür entscheiden, seinen Hut in den Ring zu werfen, wird es oberste Maßgabe sein, ein valides Finanzkonzept zu erstellen. 2024 wird die Stadt bereits unter dem Einfluss der Schuldenbremse stehen, ein olympisches Minusgeschäft wird Hamburg sich folglich nicht leisten können. Und auch die Folgekosten einer solchen Veranstaltung, so zum Beispiel der Weiterbetrieb der Wettkampfstätten, dürfen nicht aus dem Auge verloren werden. Das alte olympische Motto "schneller, höher, stärker" darf nur für den Sport gelten, nicht jedoch für den Hamburger Haushalt.

Auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre, darf sich der Steuerzahler skeptisch zeigen. Von der Elbphilharmonie ganz zu schweigen, hat Hamburg aus der vergleichsweise mickrigen, verglichen mit Olympischen Spielen, Internationalen Gartenschau einen Verlust von 37 Mio. Euro gezogen. Wie dann also aus einem Mega-Event wie Olympia ein kostenneutrales Geschäft werden soll, bleibt die große Frage.

Die nächsten Sommerspiele finden 2016 in Rio und 2020 in Tokio statt. Sollte Hamburg sich für 2024 bewerben, am Ende jedoch ein nordamerikanischer Bewerber das Rennen machen, könnte sich die Hansestadt für die Spiele 2028 nochmals bewerben. Und spätestens dann wird der Erfahrung nach ein europäischer Bewerber als Sieger vom Platz gehen.

Bis November 2015 müssen die Bewerbungen für die Spiele 2024 beim IOC eingereicht werden, entschieden wird 2017. Wenn sich Hamburg zu einer Bewerbung durchringt, sollte der Wettkampf um das beste Finanzierungskonzept möglichst bald beginnen.

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