BdSt - Gastbeitrag - Heißes Herz und kühler Kopf


01.07.2015Olympia

Gastbeitrag - Heißes Herz und kühler Kopf


Christoph Holstein, Staatsrat für Sport und Olympia © Sören Ladehof - Pressestelle des Senats
Paralympische und Olympische Spiele in Hamburg: Eine Vision elektrisiert die Stadt. Die offene und kontroverse politische Diskussion, Kernelement der Demokratie, ist entbrannt, befeuert insbesondere von kritischen Fragestellern. Das ist gut. Denn es sind gerade die Antworten auf kritische Fragen, die komplexe Planungsvorhaben nachvollziehbar machen.

Ein wesentlicher Inhalt der Debatte ist die Frage der Finanzierung. Hamburg weiß, welche Folgen es haben kann, wenn man sich mit heißem Herzen aber ohne kühlen Kopf in ein Großprojekt stürzt. Wenn man sich aber nüchtern, sachlich und dennoch begeisterungsbereit mit dem Thema "Spiele in Hamburg" beschäftigt, wird klar: Die positiven Effekte überwiegen. Wir würden Spiele im Herzen der Stadt erleben, mit kurzen Wegen, mit nachhaltiger, umweltschonender Technologie. Wir würden die Faszination Olympischer und Paralympischer Spiele empfinden, deren Sport- und Trainingsstätten als "Olympisches Erbe" insbesondere den Sportlerinnen und Sportlern in Vereinen und Schulen erhalten blieben. Das gilt auch für die bis zu 6.000 Wohnungen der Olympic City auf dem Kleinen Grasbrook, die nach Ende der Spiele unseren Wohnungsmarkt entlasten. Hamburg würde eine moderne, jahrhunderttaugliche Infrastruktur erhalten, einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, weitestgehend barrierefrei und einen für alle zugänglichen Park mitten in der Stadt.

Klare Aussage: Das alles kostet Geld. Viel Geld. Und die Frage "wie viel?" ist berechtigt. Wir haben uns aber entschieden, nicht vorschnell - wie bei der Elbphilharmonie geschehen - Zahlen in die laufende Diskussion zu werfen. Planung ist ein fortschreitender Prozess. Deshalb planen wir gründlich und rechnen seriös.

Schon weit vor dem Referendum im November werden wir einen ersten Finanzreport veröffentlichen. Dieser wird laufend aktualisiert und präzisiert. Wir informieren die Öffentlichkeit in diesem Report nicht nur über die Kostenschätzungen und -berechnungen, sondern auch über das, was wir noch nicht konkret beziffern können. Offen und ehrlich. Wir haben schließlich ein großes Interesse daran, dass die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg und ganz Deutschland nachvollziehen können, was wir im Rahmen der deutschen Bewerbung vorhaben. Wir werden sie über alle Aktivitäten und Verpflichtungen transparent informieren - alle Verträge werden den Regeln des Transparenzgesetzes entsprechend veröffentlicht.

Im Übrigen kommt es bei der Frage der Kosten nicht allein auf deren Höhe an, sondern auch darauf, ob sie sich lohnen - das tun sie - und wie diese finanziert werden. So seltsam es klingt: Es fällt uns leichter, vier Mrd. zu investieren, wenn der Bund und andere davon drei Viertel übernehmen, als nur eine Mrd., wenn wir die Summe allein stemmen müssten.

Wichtig ist aber auch: Hamburg würde - im eigenen Interesse! - viel Geld etwa für Straßensanierung und öffentlichen Nahverkehr, für Wohnungsbau und Sportanlagen auch ohne Paralympische und Olympische Spiele ausgeben. Schließlich reden wir über Investitionen, die wir ohnehin planen, jetzt aber vorziehen könnten. Wir werden uns für Olympia nicht verschulden. Die Schuldenbremse des Grundgesetzes gilt wie das Wort des Ersten
Bürgermeisters: Spiele in Hamburg werden nicht durch Kürzungen etwa im Bildungs- und Sozialbereich finanziert.

Die begeisternden Spiele in Barcelona 1992 und London 2012 haben gezeigt: Von den Spielen kann ein positiver Schub ausgehen - wenn die ausrichtenden Städte zuvor definiert haben, in welche Richtung sie sich entwickeln wollen. Hamburg, die moderne, weltoffene Stadt am Wasser, hat diese Vorstellung.

Christoph Holstein
Staatsrat für Sport und Olympia

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