BdSt - Teurer Radweg am Elbstrand?

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01.04.2017Radweg am Elbstrand

Teurer Radweg am Elbstrand?


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Hamburg soll zur Fahrradstadt werden. Der rot-grüne Senat plant, den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr bis in die 2020er Jahre auf 25 Prozent zu steigern. Da dieses ambitionierte Vorhaben jedoch nicht durch bloße Willensbekundungen, sondern vor allem durch finanzielle Investitionen zu erreichen ist, wird die städtische Fahrrad-Politik auch mehr und mehr ein Thema für den Bund der Steuerzahler - etwa bei der Frage nach einem Radweg am Elbstrand.

Im Schwarzbuch 2015 war der erst geschaffene und kurze Zeit später wieder umgebaute Radweg in der Shanghaiallee einer der Hamburger Fälle. Kostenpunkt für das Radweg-hin-und-her: 444.000 Euro. Auch hat der Steuerzahlerbund den an der Außenalster zu Marketing-Zwecken installierten Fahrradzähler kritisiert. Anschaffung und Installation haben die Stadt über 31.000 Euro gekostet. Und im Schwarzbuch 2016 schließlich wurde der Fahrradzähler erneut aufgegriffen, da hiervon 6 weitere Exemplare aufgebaut werden sollen. Kosten: rund 190.000 Euro.

Und nun könnte ein weiteres Fahrrad-Projekt ein Fall für den Steuerzahlerbund werden: Der Radweg über den Elbstrand.

Seit jeher geraten am Elbufer in Övelgönne die Radfahrer und die Fußgänger aneinander. Geschuldet ist dies der Tatsache, dass sich beide Gruppen auf einer Länge von rund einem Kilometer einen nur zwei Meter schmalen, vielgenutzten Weg teilen müssen. Und auch wenn die Radfahrer offiziell dazu angehalten sind, in diesem Bereich von ihren Drahteseln abzusteigen und diese zu schieben, ist es in Övelgönne wie auch sonst überall auf der Welt: Es gibt immer wieder Menschen, die sich nicht an die Regeln halten. Und so kommt es auch immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Fußvolk und den Radfahrern.

Doch die Bezirkspolitik möchte diesen Konflikt nun durch den Bau eines Radwegs entschärfen. Ursprünglich war dieser entlang des bereits vorhandenen Fußwegs nördlich des Elbstrands angedacht. Da der Radweg dann jedoch über private Grundstücke hätte geführt werden müssen, der größte Teil der Eigentümer jedoch nicht dazu bereit war, Teilflächen an die Stadt zu verkaufen, entstand die Überlegung, den Radweg über den Elbstrand zu führen.

Um den Anforderungen von Fußgängern und Radfahrern gerecht zu werden, sei auf dem Elbstrand eine Wegbreite von 5,90 m notwendig, so das Bezirksamt. Auch seien Abstellplätze für Fahrräder und Sitzstufen möglich.

Nun soll zunächst ein Gutachten zur technischen Realisierbarkeit dieses Vorhabens in Auftrag gegeben werden. Fraglich ist, ob sich ein Radweg auf Sand, der auch noch regelmäßig von Wasser überspült wird, bauen lässt. Im Rahmen dieses Gutachtens sollen zudem die Gesamtkosten des Projekts geklärt werden. Wurden diese in 2011 im Zuge einer ersten, dann jedoch versandeten Konzeptvorstellung noch auf 1,1 Mio. Euro geschätzt, geht man aktuell von Kosten in Höhe von rund 1,9 Mio. Euro aus.

Doch ob der Radweg überhaupt kommen wird, steht in den Sternen. Denn seitdem die Pläne öffentlich wurden, wird über diese kontrovers diskutiert.

Die Gegner des Projekts stoßen sich nicht nur an den kalkulierten Kosten, sondern auch daran, dass ein Stück Sandstrand teilweise zubetoniert werden soll. "1,9 Millionen Euro für 900 Meter Radweg ist einfach irre", so Antonia Niecke, CDU-Vertreterin im Verkehrsausschuss des Bezirks. "Zudem ist das ein Naherholungsgebiet. Ein Radweg, der mitten durch den Strand führt, würde das zerstören. Wir fordern, dass die Planungen eingestellt werden."

Doch zugegebenermaßen, auch die Befürworter des Radwegs in Övelgönne haben gute Argumente. "Angesichts der nicht durchgängig vorhandenen Radverkehrsverbindung wundert es nicht, dass immer noch viele Elbvorortler in die Innenstadt lieber mit dem Auto fahren", sagt Stefanie Miczka vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club.

Mittlerweile werden übrigens auch Alternativen zum Elbstrand-Radweg diskutiert. So lautet ein Vorschlag, den bereits existierenden Weg, den sich Fußgänger und "schiebende Radfahrer" teilen müssen, zu den Haupt-Pendelzeiten fürs Radfahren freizugeben. Dies wäre wohl die kostengünstigste Lösung. Wenn auch die ineffizienteste, um Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern dauerhaft zu beseitigen. Auch wurde vorgeschlagen, die Radfahrer über die Elbchaussee zu führen - wobei die Infrastruktur zur Realisierung dieser Idee erst noch geschaffen werden müsste. Zudem wäre dieser Vorschlag wahrscheinlich auch nur eine Lösung für die Fahrrad-Pendler, nicht jedoch die Fahrrad-Touristen.

Und sollte sich am Ende doch die Idee des Radwegs auf dem Elbstrand durchsetzen, wird der Steuerzahlerbund einen Blick darauf haben, dass keine Steuergelder in den Sand gesetzt werden. Schließlich handelt es sich bei den im Raum stehenden 1,9 Mio. Euro lediglich um eine Schätzung. Und dass in der öffentlichen Verwaltung tendenziell eher zu niedrig als zu hoch geschätzt wird, ist kein Geheimnis.

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