BdSt - Zu hohe Kosten für die Bespielung der Elbphilharmonie?


01.03.2017Elbphilharmonie

Zu hohe Kosten für die Bespielung der Elbphilharmonie?


Elbphilharmonie / © Michael Zapf
So schnell kann es gehen. Noch bis vor wenigen Monaten drehte sich jede Berichterstattung über die Elbphilharmonie um die mit ihrem Bau einhergehende Kostenexplosion. Das Konzerthaus wurde regelmäßig in einem Atemzug mit dem Berliner Flughafen und Stuttgart 21 genannt und galt als Symbol für die Unfähigkeit der öffentlichen Hand, kostenstabil zu bauen.

Doch diese Zeiten scheinen nun (endlich) vorbei. Seit der Eröffnung der "Elphi" wird der Steuerzahler nur noch mit bunten Bildern verschiedener musikalischer Highlights, die tagtäglich in den beiden Konzertsälen stattfinden, beglückt.

Und ganz ehrlich, es fällt einem schwer, sich dieser Euphorie rund um das neue städtische Wahrzeichen zu entziehen. Zu sehr fügt sich das Gebäude in Hamburgs Skyline ein, zu sehr hat mit der Eröffnung ein Hauch von internationalem Glamour in die manchmal etwas schläfrig wirkende Hansestadt Einzug gehalten.

Doch endet die Arbeit des Steuerzahlerbundes mit der Eröffnung des Musiktempels?

Mitnichten! Ein besonderes Augenmerk werden wir zukünftig auf die Betriebskosten, die im städtischen Haushalt mit denen der Laeiszhalle zusammengefasst werden, werfen müssen.

Dass sich die beiden Konzerthäuser irgendwann selber tragen werden, gilt als ausgeschlossen, denn dies schaffen tatsächlich nur die wenigsten Einrichtungen in der europäischen Kulturlandschaft. Der Steuerzahler wird sich also darauf einstellen müssen, die sich ergebenden Finanzierungslücken dauerhaft auszugleichen.

Wie groß diese langfristig sein werden, lässt sich noch nicht sagen. Fest steht aber, dass die Stadt vor einem schwierigen Spagat steht. Auf der einen Seite soll die Elbphilharmonie vor dem Hintergrund der von den Hamburgerinnen und Hamburgern zu tragenden Baukosten ein "Haus für alle" sein. Die Ticketpreise müssen also so gestaltet werden, dass sich jeder den Eintritt für eine Veranstaltung im neuen Konzerthaus leisten kann. Auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass günstige Eintrittspreise nur mit einer nicht unerheblichen öffentlichen Subventionierung einhergehen können.

Mit welchen Subventionen die Stadt Hamburg im Detail rechnet, lässt sich beispielhaft in der Senatsdrucksache "Fortgeschriebenes Nutzungskonzept für den laufenden Spielbetrieb von Elbphilharmonie und Laeiszhalle" nachlesen. Hier heißt es, "dass rechnerisch jede Abendveranstaltung - unabhängig vom Veranstalter - im Großen Saal der Elbphilharmonie im Schnitt mit 14.000 Euro subventioniert wird." Insgesamt ist im städtischen Haushalt ein Spielbetriebszuschuss für Elbphilharmonie und Laeiszhalle von 6 Mio. Euro jährlich vorgesehen. Hinzu kommen für die in der Eröffnungsphase vorgesehenen Aktivitäten außerhalb der Reihe einmalig 5 Mio. Euro Spielbetriebszuschuss und 10 Mio. Euro für Marketingmaßnahmen.

Doch bevor jetzt dem Leser in Kenntnis der Höhe dauerhafter und einmaliger Zuwendungen für Elbphilharmonie und Laeiszhalle der Atem stockt, hier einige Zahlen, die diese Summen deutlich relativieren: Laut Hamburger Haushaltsplan für 2017 sind beispielsweise für die Hamburgische Staatsoper Subventionen in Höhe von 55 Mio. Euro vorgesehen. Das Schauspielhaus erhält 25 Mio. Euro aus der Stadtkasse. Und das Thalia Theater darf sich über 22 Mio. Euro freuen. Macht zusammen für diese drei großen Kultureinrichtungen immerhin mehr als 100 Mio. Euro - pro Jahr! Und bei erwarteten rund 817.000 Besuchern in allen drei Häusern, entspricht dies einer durchschnittlich Subvention von immerhin 125 Euro - pro Ticket! Und sollten Elbphilharmonie und Laeiszhalle in 2017 von beispielsweise rund 600.000 zahlenden Gästen besucht werden, wären dies bei 6 Mio. Euro kalkulierten Fixkosten gerade einmal 10 Euro an Subventionen pro Ticket - Baukosten und einmalige Zuschüsse lassen wir in dieser Rechnung außen vor, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Und auch wenn der Vergleich insgesamt hinkt, da Opern und Theater einen ganz anderen Personalbedarf aufweisen als Konzerthäuser (allein für die Hamburgische Staatsoper liegen die Personalkosten bei rund 42 Mio. Euro), soll mit dieser Rechnung verdeutlicht werden, dass es am Ende wohl nicht die Millionen für Elbphilharmonie und Laeiszhalle sein werden, die den Kulturhaushalt zu Fall bringen könnten.

Und dennoch: Die Finanzplanung für die Elbphilharmonie wurde auf dem Reißbrett entworfen, da langjährige Erfahrungswerte noch nicht zur Verfügung stehen. Es bleibt also abzuwarten, ob die Kulturpolitiker mit ihrem geschätzten Finanzbedarf am Ende eine Punktlandung hinlegen oder ob innerhalb des Kulturetats umgeschichtet werden oder dieser sogar erhöht werden muss.

Für den Bund der Steuerzahler bleibt die Elbphilharmonie also auch weiterhin ein Thema. Wir werden darauf achten, dass das neue Wahrzeichen nach seiner Eröffnung keine finanziellen Misstöne mehr hervorbringt.


URL dieser Seite: http://www.steuerzahler-hamburg.de/Zu-hohe-Kosten-fuer-die-Bespielung-der-Elbphilharmonie/81923c93511i1p61/index.html